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Beiträge und Informationen zu Friedrich Fröbel

Verschwinden der Kindheit? Ende der Erziehung?

Oder: Brauchen wir die alten Ideen noch? - Plädoyer für das Besinnen am Beispiel Friedrich Fröbels

Matthias Brodbeck

1 Vorüberlegungen

Bilden und Erziehen sind in die Mitte der öffentlichen Diskussionen geraten. Ein gebührender Platz.  Nur: Wie sie dahin gerieten, muss zumindest nachdenklich machen.

Manch ein Reagieren vermag nicht immer den Eindruck von Nachdenklichkeit, welche auch mit Besinnen zu tun hat, zu erwecken. Mit dem ehrenhaften Bestreben, in Schieflage geratene Türme wieder aufzurichten sollte auch verbunden sein, das Fragen nach Schätzen, die wir ja eigentlich schon lange besitzen.

Thüringen ist wie kaum ein anderes Land reich an historisch bedeutsamen Personen. Es mag aus einer militärisch geprägten Sicht auf Geschichte weniger bedeutsam erscheinen – zu klein waren dazu wohl die Fürsten- und Herzogtümer, die im heutigen Thüringer Wappen ihre Sterne hinterließen.

Aber vielleicht boten gerade die kleinen „aufgeklärten“Landesfürsten Denkern, Literaten, Künstlern und nicht zuletzt Pädagogen hier und dort den Raum, Ideen zu verwirklichen.

Thüringen - ein Land voller pädagogischer Traditionen.

Vielen Großen begegnete er – direkt oder über das Buch. Er schätzte Luther und Gutenberg, ließ sich von Schiller inspirieren, kämpfte in den Reihen der Lützower Jäger u.a. gemeinsam mit Friedrich Ludwig Jahn, erlebte Fichte und Schelling, hospitierte bei Pestalozzi und wurde im hohen Alter zum besten Freund von Adolph Diesterweg, dem zweiten ganz großen Pädagogen dieser Zeit neben ihm.

Dabei hatte die Pädagogik des 18. und 19. Jahrhunderts in Thüringen schon etwas zu bieten:

Man denke an die Gründung des Philantropins in Schnepfenthal 1784 –untrennbar verbunden mit Salzmann, GutsMuths und Blasche, man denke aber auch an das Wirken Goethes, Schillers und Herders in Weimar.

Darüber hinaus haben in vielen Thüringer Regionen Pädagogen die Entwicklung beeinflusst. Dafür stehen Namen wie Zeh in Rudolstadt oder Nonne in Meiningen.

Manch heutiger Zeitgenosse fragt - laut oder leise - wozu man denn heute noch die alten Ideen brauche.

Ich möchte deshalb den Bogen von der Zeit Fröbels in die Gegenwart spannen und die Frage stellen:

Brauchen wir Fröbel noch? Eine bloß rhetorische Frage?

Betrachtet man das Umgehen mit Fröbel abseits von Feierlichkeiten, so könnte man meinen, dass er sicher noch gebraucht wird – nur vielleicht nicht unbedingt so sehr in Deutschland.

Brauchen wir Fröbel noch?

Zumindest in Bezug auf die vorschulische Pädagogik dürfte dies keine Frage sein. Gilt er doch schlechthin als der Schöpfer des Kindergartens und vor allem der hinter diesem stehenden Philosophie.

Jedoch: Fröbelsche Pädagogik besteht mindestens aus drei tragenden Säulen:

1.1 Säule I - Vorschulpädagogik, sprich: Kindergarten

Der Kindergarten war gedacht als Institution zur Unterstützung der Familienerziehung, traf den Nerv der Zeit aber auch deshalb, weil die zunehmende Industrialisierung nach Arbeitskräften –auch weiblichen Arbeitskräften – verlangte.

Mit dem Kindergarten wurde ein pädagogisches Konzept verfolgt, das in der Lage war, Entwicklungsbesonderheiten und –anforderungen der Kinder zu entsprechen. Damit hob sich der Kindergarten qualitativ von den damals schon existierenden “Kinderbewahranstalten” ab.

1.2 Säule II - die Schulpädagogik

Die erste Fröbelsche Gründung war die “Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt”, die 1816 in Griesheim bei Stadtilm gegründet wurde und die “um Johannis 1817” nach Keilhau umzog. Hier veröffentlichte Fröbel neben den “Keilhauer Werbeschriften” auch sein literarisches Hauptwerk, die “Menschenerziehung”.

1828/29 unterbreitete er Vorstellungen von einer Volkserziehungsanstalt, die Kinder vom Vorschulalter bis zur Berufsausbildung bzw. Hochschulreife führen sollte.

Dieser Plan sollte in Helba bei Meiningen verwirklicht werden. Er symbolisiert die eigentlichen Fröbelschen Bestrebungen, von denen die Vorschul- bzw. Kindergartenpädagogik nur als ein – wenn auch sehr wichtiger - Teil gesehen werden sollte.

1.3 Säule III - die Berufs-Pädagogik

Hier handelt es sich wohl um den am wenigsten wahrgenommenen Teil Fröbelscher pädagogischer Bestrebungen.

Nach der Gründung des Allgemeinen Deutschen Kindergartens (1840 in Bad Blankenburg) erkannte Fröbel recht schnell, dass für den Erfolg der Kindergartenidee – um es mit heutigen Worten auszudrücken - “Multiplikatoren” nötig waren.

1851 gründete er im Schlösschen Marienthal bei Bad Liebenstein die erste Kindergärtnerinnenschule der Welt und damit wohl die erste säkulare Berufsausbildungseinrichtung für Frauen in Deutschland.

1.4 Wie schwer wir uns mitunter mit Fröbel tun …

Das preußische Kindergartenverbot von 1851, das erst 9 Jahre nach Fröbels Tod aufgehoben wurde, führte dazu, dass viele Absolventinnen Deutschland verließen und im Ausland die Fröbelschen Ideen verbreiteten. Ein wesentlicher Grund, warum Fröbel heute in vielen Ländern der Erde nicht nur wahrgenommen, sondern auch diskutiert wird!

Insbesondere von England und den Vereinigten Staaten aus verbreiten sich nach Fröbels Tod seine Ideen in alle Welt. An den Fröbelorten in Thüringen konnte und kann man wahrnehmen, dass er bis in den Fernen Osten, bis nach Japan, Korea und Thailand Freunde und Anhänger findet.

Hier soll nicht die Stelle sein, die dahin führenden Motive vertiefend zu diskutieren.

Aber die Frage sollte erlaubt sein, warum die Fröbelsche Wortschöpfung “Kindergarten” in so viele Sprachen der Welt unverändert übernommen wurde. Auch in den USA kennt sie wohl jeder, während sich in der deutschen Sprache der Amerikanismus “Kids” einbürgert und der terminus technicus “Kindertagesstätte” (KITA) die Motive, die zu den Worten Kindergarten, Kinderkrippe und Kinderhort führten, verschleiert.

Vielleicht tun wir uns schwer mit Fröbel, weil er in vergangenen Perioden deutscher Geschichte immer wieder ideologisiert wurde?

In der Nazizeit wurde er zum Bildner der deutschen Mutter stilisiert. Außerdem wusste man seine Darstellungen über “deutsche Erziehung” in den Keilhauer Werbeschriften aus den historischen Zusammenhängen zu trennen und sich ideologisch zunutze zu machen.

Auch in der DDR wurde versucht, Fröbel ideologisch zu vereinnahmen. So musste er dazu herhalten, für die sogenannte “patriotische Erziehung” historische Zitate zu liefern:

Es war mir gar nicht zu denken möglich, wie ein waffenfähiger junger Mann Erzieher von Kindern werden könne, deren Vaterland er nicht mit seinem Blut und seinem Leben verteidigt habe.

Fröbel bezog sich hier auf seine Teilnahme am Befreiungskampf gegen Napoleon in den Reihen der Lützower Jäger – was aus historischen Zusammenhängen gelöst wurde.

Vielleicht tun wir uns aber auch schwer wegen der Fröbelschen Sprache?

Er ist nicht einfach zu lesen und zu verstehen.

Das mag im Stil seiner Zeit begründet liegen, wohl aber auch darin, dass er häufig spekulativ argumentierte. Möglicherweise kaschierte er so bestehende Kenntnislücken.

Hin und wieder scheint er sich jedoch ins Schwärmen geschrieben zu haben - was man vielleicht einem Künstler verzeiht. Dem Akademiker, dem pädagogischen Praktiker aber mag das Halten von kühler und sachlicher Distanz hin und wieder schwer fallen.

Das führt mich zu der Frage:

Wäre es denkbar, dass der Zugang zu Fröbel im Ausland auch deshalb leichter oder unbelasteter sein könnte, weil Übersetzer dessen Texte von sprachlichen “Stolpersteinen” befreit haben?

Kann man ihn heute brauchen? (Das Wort “gebrauchen” möchte ich bewußt vermeiden.)

Das soll in Fragen oder kurzen Thesen in dem Bewußtsein beleuchtet werden, hier nur Mosaiksteine herauszugreifen:

2 Brauchen wir Fröbel noch? (Fragen und Thesen)

Ich zitiere Andreas Flitner „Die Themen der Reformpädagogik und ihre Bedeutung für die heutige Schule“ von 1992:

Die Schule kann den großen, den globalen Problemen der Gegenwart nicht aus dem Wege gehen: die Kenntnis und Analyse derjenigen Weltvorgänge, die den Fortbestand der Menschheit infrage stellen: Verbrauch und Zerstörung lebensnotwendiger Ressourcen, fortschreitende Verarmung und Erosion der "Dritten Welt", herrschende Ökonomien und ihre Nebenwirkungen ...

Flitner selbst zitiert den Club of Rome:

Zum "Lernen durch Schock" werden uns die Katastrophen veranlassen, die unseren Weg in die falsche Technologie und den Naturverbrauch hinein begleiten - noch haben wir offenbar, trotz Tschernobyl, Ozonloch, Rheinvergiftung - auf diesem Wege nicht genug gelernt. (Club of Rome 1979) .

Die großen Katastrophen – auch die des 11. September 2001 – sie lösen Lernprozesse aus.

Da sind neben Ängsten, Trauer, Sorgen, Fragen und Tränen unserer Kinder auch die unsrigen – über die Zukunft, über die Welt, über Gewalt, Krieg und/oder Frieden.

Wir müssen lernen. Wir müssen fragen. Wir müssen uns fragen.

Was wissen wir wirklich über unsere Kinder?

2.1 Chancen für Entwicklung zu lassen heißt: Zeit für Entwicklung zu lassen!

Als notwendig wurde auch vor Fröbel schon erkannt, Kindern Zeit für Entwicklung zu lassen.

“Wollen wir denn nie aufhören, unsere Kinder, Knaben und Schüler gleich Münzen zu prägen und sie mit fremderAufschrift und fremdem Bildnisse prangen zu sehen.”

Neil Postman vermeinte, „Das Verschwinden der Kindheit“ zu entdecken. In gleichnamigem Buch hatte er mitzuteilen:

Die Idee der Kindheit ist eine der großen Erfindungen der Renaissance, vielleicht ihre menschlichste. ... Aber wie bei allen gesellschaftlichen Institutionen ist ihr Fortbestand durchaus nichts Selbstverständliches. ...

Es muss doch einen Sinn haben, warum der Mensch kein “Nestflüchter”ist, warum er eine lange Zeit der Entwicklung bis zur Reife braucht. Die Entdeckung der Kindheit und ihre Institutionalisierung hatten auch mit dieser Frage zu tun.

Schon die Philanthropisten wussten, dass man den Menschen nicht nur für ein bestimmtes Gewerbe und für einen bestimmten Zeitgeist (mainstream) tauglich machen soll.

Eine Schule, eine Erziehung, die sich nur an den Gegebenheiten der Gegenwart orientiert kann – freilich ohne es zu wollen – damit auch Probleme der Zukunft “produzieren”.

Auch aus diesem Blickwinkel kann das heutige Fehlen von Fachkräften in einzelnen Berufsgruppen gesehen werden.

Wir sollten uns darauf besinnen, was Fröbel mit dem Begriff „Menschenerziehung“ beschrieb. Er machte damit das „Allgemeinmenschliche“ zum wichtigsten Erziehungsziel. Dies hieß Distanzierung von einer Erziehung in Bedeutung von „Brauchbarmachung“ für einen bestimmten Zeitgeist bzw. für einen bestimmten Beruf. Das sei Aufgabe weiterführender beruflicher Bildung und Erziehung.

Rosseau hatte den Begriff Menschenerziehung ebenfalls verwendet und umschrieb ihn so:

„Wenn er (der Zögling) aus meinen Händen hervorgeht, wird er freilich weder Richter noch Soldat noch Priester sein, er wird zuerst Mensch sein.“

Ich frage mich nun: Verschwindet wirklich die Kindheit?

Oder verschwindet eine Beziehung zu Kindheit in uns, ein Bild von Kindheit, das einst auch zu solchen Worten wie „Kindergarten“führte?

Was wissen wir von unseren Kindern?

2.2 Warum ist das Phänomen des Staunens bis heute wissenschaftlich kaum bearbeitet?

Einstein wurde einst gefragt, wie er zum großen Wissenschaftler wurde. Er soll gesagt haben, dass er das nicht mehr wisse, nur dass er immer gestaunt habe, wie denn der Mond am Himmel hielte und dass er sich dieses Staunen vielleicht bewahrt habe.

Fröbel erkannte, dass die Betrachtung der Natur und der Menschenwerke Staunen und die Entdeckerfreude hervorbringen. Sehnsucht nach der “Vorwelt”, so Fröbel, treibt Kinder in die tiefsten Höhlen...

Thomas von Aquin wird der Satz zugeschrieben:
“Das Staunen ist eine Sehnsucht nach Wissen.”

Da programmatische Sätze mitunter geliebt werden, formuliere ich es so:

Kinder brauchen Staunmäler!

2.3 Was wissen wir von unseren Kindern, ...

... wenn Forderungen nach Bildungsarbeit im Kindergarten hier und dort als Bedrohung durch eine „Verschulung des Kindergartens“ gesehen werden?

Fröbel erkannte Spielen, Lernen und Arbeiten als die menschlichen Haupttätigkeiten. Er vertrat die Auffassung, dass jede dieser Tätigkeiten in jeder Lebensphase von Bedeutung ist, auch wenn eine davon jeweils dominiert.

So waren auch Lernen und Arbeiten stets fester Bestandteil seines Wirkens und seiner Konzeptionen.

Fröbel versuchte durch Besuch in Werkstätten die Zöglinge bei der Wahl des künftigen Berufes zu unterstützen.

Er verfolgte das Prinzip der “Tatanschauung” – das Prinzip des tätigen Umgangs mit den Gegenständen, des tätigen Auseinandersetzens mit der Natur und den Menschenwerken und das sich auch in Konfuzius‘ Worten wiederfindet:

Sage es mir, und ich werde es vergessen.

Zeige es mir, und ich werde mich erinnern.

Lass‘ es mich tun, und ich werde es behalten.

Wie gerne wollen Kinder tun, wie gerne wollen sie lernen!

Wie schafft es mancher nur immer wieder, ihnen diese Lust auszutreiben!

2.4 Was wissen wir von unseren Kindern, ...

... von ihrem Spiel, von frühkindlicher Entwicklung?

Fröbels qualifiziertes Ahnen und seine Beobachtungen brachten ihn dazu, einen Vers aus Schillers Gedicht „Thekla“ aufzugreifen und zum Motto zu machen:

„Gar hoher Sinn liegt oft im kind’schen Spiele.“

Er erkannte, dass ein Kind, dass nicht spielt (bzw. nicht zum Spielen kommt) im späteren Leben daraus erwachsende Entwicklungsdefizite nur schwer kompensieren kann.

Welche Bedeutung für die Entwicklung des Kindes hat eine pädagogisch durchdachte, entwicklungsgemäße Arbeit mit dem Kind im Kindergarten!

Das kindliche Gehirn behält beispielsweise bis zum ca. 10. Lebensjahr seine Plastizität, bis dahin werden Grundlagen geschaffen, danach wird das Geschaffene genutzt.

Die Wahrnehmung von Verantwortung bezüglich der Entwicklung der Kinder in Kindergarten und Grundschule hat damit zu tun, was bereits Fröbel erkannte und umsetzte:

Entwicklungschancen nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, den besten Nährboden für das wie in einem Samenkorn Angelegte zu bereiten.

2.5 Was inspiriert unsere Kinder zum Denken, zum Lernen, was wissen wir davon?

In ihrem Bestseller „Das Weltwissen der Siebenjährigen“ stellt Danuta Elschenbroich fest: Kinder motivieren sich selbst zum Lernen, wir sollten vor allem besser studieren, was unsere Kinder wann brauchen!

Was gehört zum Weltwissen eines Siebenjährigen Kindes?Hätten Sie an solche Dinge gedacht wie:

·      dem Vater einmal beim Rasieren zugeschaut zu haben

·      einmal für einen Erwachsenen die entscheidende Hilfe bei der Lösung eines Problems gewesen zu sein

·      den eigenen Namen mit dem Fuß in den Sand, mit Stöckchen in den Waldboden, mit Kreide auf die Straße und mit dem Stift auf Papier geschrieben zu haben …

·      Ohne, dass es so explizit dabeistand, mag auch gelten: Grundformen und Naturmaterialien spielerisch erfahren zu haben

·          Wieviele der heute Siebenjährigen haben das erlebt?

·          Oder verspielen wir Entwicklungschancen?

Sind die Ergebnisse der PISA-Studie nicht auch ein Beleg dafür, dass wir an die Wurzeln in der Kindheit müssen, wenn wir die richtigen Konsequenzen ziehen wollen!

2.6 Was wissen wir von unseren Kindern, wie hat sich Kindheit verändert!

Die Zahl der “Ein-Kind-Familien” ist in stetigem Steigen begriffen. Das bedeutet: In immer weniger Familien findet Kommunikation zwischen Kindern statt. Lehrer kennen das sogenannte “Montags- Syndrom”. Es äußert sich u.a. in verstärktem Mitteilungs- und Kommunikationsbedürfnis. Es ist wohl denkbar, dass es Kinder gibt, die mitunter zwischen Freitagmittag und Montagvormittag mit keinem Kind kommuniziert haben!

Fröbel sah als Wichtigstes für das Kind das andere Kind.

Kinder und Jugendliche brauchen Spielräume, die zum Zusammensein, zum Spielen und Kommunizieren motivieren. Wir sollten den steigenden Fernseh- und Computer-Konsum nicht beklagen,wir sollten Alternativen schaffen!

Zitat Fröbel: Jeder Ort sollte einen Spielplatz haben ... wie herrlich würden die Früchte sein ...

2.7 Fröbel mochte keine steinernen oder eisernen Denkmäler, ...

... vielmehr betrachtete er seine Gründungen als “lebendige Denkmäler”.

1817 holte er zwei Brüder an seine gerade gegründete Erziehungsanstalt in Keilhau. Sie hießen Georg und Ernst Luther und waren Nachfahren der Luther-Familie aus Möhra in der Nähe von Eisenach, der auch einst Martin Luther entstammte. Im Jahr des 300. Reformationsjubiläums wollte Fröbel so seinem „großen Glaubenshelden“ ein lebendiges Denkmal statt eines solchen in Stein oder Eisen setzen.

Georg Luther studierte später in der Tat Religion, Ernst Luther erlernte das Bauhandwerk und schuf u.a. mit Fröbels Grabstein – die aufeinander gestellten Teile der zweiten Spielgabe (Kugel, Walze und Würfel) - das heute für Fröbel stehende Symbol schlechthin.

Den 1840 in Bad Blankenburg gegründeten Kindergarten widmete Fröbel als lebendiges Denkmal dem europäischen Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern – Johann Gutenberg.

2.8 Was wissen wir von unseren Kindern, ...

... um Unterricht, Erziehung und Lehre adäquat gestalten zu können?

Im akademischen Sinne hat Fröbel selbst das Wenigstegewusst. Sein Wissen war qualifiziertes Ahnen, empirisch durch Beobachtung und Selbstbeobachtung gewonnen.

Er äußert sich an verschiedensten Stellen seiner Schriften –insbesondere auch in der “Menschenerziehung” –zum Unterricht, nahm mitunter erst viele Jahrzehnte in der Psychologie erkannte Zusammenhänge und Gesetze vorweg. So formulierte er:

... denn nur die genügende Entwicklung des Menschen auf jeder vorhergehenden Stufe bewirkt ... eine genügende vollendete Entwicklung jeder folgenden spätern Stufe.

Diese Gedanken finden sich heute in einer psychologischen Theorie, die zum Grundwerkzeug aller Erziehenden gehört.

Und gerade mit dem Blick auf Fröbel fällt mir ein:

Schulisches Lernen sollte ganzheitlich sein.

„Ganzheitlichkeit“ - ein inflationär verwendeter, diffuser Begriff. Was sollte er aus meiner Sicht und mit Blick auf Fröbelsche Ideen umfassen?:

·        den Menschen als Ganzheit und gleichzeitig Teil eines größeren Ganzen (Fröbelscher Begriff: "Gliedganzes")

·        die Entwicklung des Menschen als Ganzheit von "Kopf, Herz und Hand"(Pestalozzi)bzw. Körper, Geist und Seele

·        Entwicklung in ganzheitlicher zeitlicher Dimension (Vergangenheit - Gegenwart -  Zukunft) - das Individuum als Gewordenes, Seiendes und Werdendes

·        Entwicklung in ganzheitlicher sozialer Dimensionierung (sozialer Nahbereich bis sozialer Fernbereich) (Familie / Schule --> Kulturkreise, Welt)

·        Ganzheit der natürlichen und sozialen Lebenswirklichkeit und nicht zuletzt

·        die Verwirklichung des ganzheitlichen menschlichen Tätigkeitsspektrums (Spielen - Lernen - Arbeiten)

So soll Arbeit, Unterricht und Spiel ein ungestücktes Lebensganzes und ... Grund eines künftig ungeteilten, tatkräftigen, einsichtigen und freudigen Lebens werden. (Fröbel 1822)

2.9 Wie soll Unterricht, Erziehung und Lehre sein?

Fröbel sagt dazu u.a.:

Alle wahre Erziehung und Lehre, aller wahre Unterricht, der echte Erzieher und Lehrer muß in jedem Augenblicke… in allen seinen Forderungen und Bestimmungen… zugleich… doppelseitig sein: gebend und nehmend, vereinend und zerteilend, vorschreibend und nachgehend, handelnd und duldend, bestimmend und freigebend, fest und beweglich, ...

Eine solche Herangehensweise an das – wie Fröbel es ausdrückte – “Erziehergeschäft” hat vor allem zum Ziel, das Kind immer mehr zum Subjekt seiner eigenen Entwicklung zu machen, denn (so Fröbel selbst):

Dies: denkend tätig sein, dies: denkend tätig machen, ist der Quellpunkt aller produktiven Erziehung.

Solches Denken findet sich in modernen Konzeptionen von Unterricht, in Herangehensweisen, die die Entwicklung von Kompetenz als Ziel schulischen Handelns definieren.

3 Zu Bilden und Erziehen mit Bezügen zur Mathematik

Wie bereits aus seinen Worten zum Lehrer und Erzieher deutlich wird, ist Fröbels Ideengut zum Bilden und Erziehen vielschichtig.

Es umfasst neben generalisierenden Aussagen zur Rolle von Lehrern, Erziehern, Eltern und Schülern auch eine Menge an insbesondere aus Beobachtungen resultierenden Erkenntnissen, die wir heute als psychologisch bezeichnen würden.

Freilich ist ihm manches auch recht spekulativ geraten. So äußerte er sich in seinen Planungen zur Volkserziehungsanstalt Helba dazu, dass er Tal-Lagen für Schulen bevorzuge, denn sie seien Orte der Sammlung, während Berge und Gipfel Orte der Zerstreuung seien. Aber vielleicht lächeln wir hier ja auch nur, weil wir es noch nicht besser wissen!

Überliefert ist, dass er beim Anblick von Keilhau, wohin „um Johannis“ 1817 seine „Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt“ umzog, ausgerufen haben soll: „Was für ein Erziehungstal.“ Dass es nicht einerlei ist, wo eine Schule steht, mag ich ihm zumindest gerne glauben.

Fröbel folgte den „Entwicklungsgesetzen des Geistes“ und formulierte didaktische Regeln, die uns heute mitunter simpel erscheinen mögen, nach denen vorzugehen zur damaligen Zeit aber durchaus nichts Selbstverständliches war:

Gehe vom Leichten zum Schweren,

vom Einfachen zum Zusammengesetzten,

vom Nahen zum Fernen,

vom Bekannten zum Unbekannten,

vom Konkreten zum Abstrakten

Er entwickelte aber auch eine Vielzahl von Ideen und Materialien, die uns zum Teil bis heute erhalten und bekannt sind, die wir mitunter gar nicht mehr in einen Zusammenhang mit Fröbel bringen.

Auch hier war er mitunter von Spekulativem nicht frei.

Und wie gesagt – leicht zu verstehen ist er auch nicht, das folgende Zitat verlangt möglicherweise sehr konzentriertes Hinhören:

Menschenerziehung ohne Mathematik und wenigstens ohne gründliche Zahlenkunde … ist darum ein haltloses Stück und Flickwerk und setzt der Bildung und der Entwicklung, zu welcher der Mensch und die Menschheit bestimmt und berufen ist, unübersteigbare Grenzen, … die aber der Mensch dann, da er sich von seiner strebenden Natur und strebendem Geiste nicht lossagen kann, entweder zu überschwärmen, oder des fruchtlosen geistigen Drängens und Strebens müde, sich in sich selbst, seine Kräfte zu lähmen sucht; denn Menschengeist und Mathematik sind so unzertrennlich, als Menschengemüt und Religion.

Was von Fröbelschem Schaffen deutlich sichtbar bis in unsere Tage geblieben ist, sind z.B.:

·      ein Teil seiner Mutter-, Spiel- und Koselieder

·      und sein Spielgabensystem,

auf das ich hier kurz zu sprechen kommen möchte.

Die erste Spielgabe, der Ball hatte einen Durchmesser von ca. 4 cm – was der Physiologie der kleinkindlichen Hand entspricht – und war ausgeführt aus Stoff in den 6 Farben des Regenbogens.

Diese Spielgabe war weitestgehend für das Spiel der Mutter mit dem Kind bestimmt.

Das Spielen mit dem Ball und die Bewegungen des Balles sollten von der Mutter singend und sprechend begleitet werden mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit des Kindes zu steuern und das Kind selbst zum Artikulieren zu bewegen.

Gestatten Sie mir, eine eigene Vermutung zu ergänzen:

Staunen und Lachen des Kleinkindes ruft das Pendeln des angestoßenen Balles hervor – vielleicht der Beginn der Erkenntnis: Das war ja ich! Ich kann die Welt in Bewegung bringen und verändern!

Und das alles ohne Klappern und Krach. Heutige Kleinkinder- Spielzeuge scheinen aus meiner Sicht dieses „Sich-selbst- Erkennen“ durch Geräusche zu übertönen. Lassen Sie es mich so sagen:

Als Verursacher von Krach erleben wir uns doch wohl auch später noch früh genug!

Die zweite Spielgabe bilden die heute als Fröbel-Symbol schlechthin bekannten Grundformen Kugel, Walze (Zylinder) und Würfel.

Sie bestehen aus Holz, die Grundmaße betragen jeweils ca. 5 cm. Auch diese „Gaben“ sind vorrangig für das Spiel der Mutter mit dem Kind gedacht.

Auch hier wäre vieles zu vertiefen. Besonders interessant ist wohl – wenn man den Fokus auf das Mathematische lenkt – das hier erstmals auch Grunderkenntnisse zu Körpern intendiert werden, z. B., dass die „Walze“ durch Rotation des Würfels entsteht

Die 3. bis 6. Spielgabe bestehen aus verschiedenen Teilungen des Würfels, weitere Spielgaben führen zu Flächen, Linien und Punkten, die freilich immer noch als Körper realisiert werden.

Verschiedenste Verbindungen von Linien und Punkten führen zu vielgestaltigen Formen bzw. Körpern. Dies hat Fröbel auch in Anleitungen selbst ausgeführt.

Unabhängig davon, dass es unabdingbar zu Fröbel gehört, dass Kinder „be-greifen“, könnte es interessant sein, nicht-3- dimensionale Spielgaben heute vielleicht am PC zu realisieren.

Fröbelsche Spielgaben regen 3 Richtungen des Spieles an.

·          die Schönheitsformen

·          die Erkenntnisformen

·          die Lebensformen

Schönheitsformen beanspruchen die Phantasie und sind gekennzeichnet durch Symmetrie.

Ich erinnere mich, wie gerne wir als Schüler im 2. Schuljahr mit Zirkeln Blumen in unsere Hefte malten.

Ich möchte vermuten, es gibt Lebensalter der Symmetrie, vielleicht, weil das Innere ausgeglichen ist. Da liebt man Zirkelblumen, Kaleidoskope und … die Fröbelschen Schönheitsformen.

Erkenntnisformen machen Erkenntnisse durch Erfahren und Be-Greifen möglich.

Der einmal nach allen Seiten geteilte Würfel besteht aus 8 Teilen.

Der Würfel wird in einer Ebene geteilt und besteht nun aus 2 Hälften zu je vier Teilen.

Diese Hälften bleiben mengenmäßig Hälften auch dann, wenn sie unterschiedliche Formen annehmen. Diese Formen können an Grundformen von Gegenständen des täglichen Lebens erinnern.

Und man kann die Gültigkeit des Satzes des Pythagoras sogar nachzählbar und begreifbar machen.

Mit den Lebensformen verbindet sich das Bauen von Türmen, Häusen, Burgen …

Und da muss man nicht nur zählen können.

Irgendwann beginnt man eine Ahnung davon zu bekommen, was wir Erwachsenen als „Statik“ bezeichnen.

Wieviele Architektenkarrieren haben so an Spielzeugkisten begonnen?

Man mag über diese Frage lächeln. Die aktuelle Fröbel- Diskussion – insbesondere in den USA – beschäftigt sich u.a. aber mit genau jener Frage.

4 Fröbels Nachwirken in der Zeit der „Moderne“

Fröbel lebte und wirkte in einer Zeit großer sozialer Umwälzungen. Sein Leben wurde quasi “eingerahmt“ von zwei großen Ereignissen in Europa – der französischen bürgerlichen Revolution und der bürgerlich- demokratischen Revolution in Deutschland. Die Industrialisierung begann das Leben und Arbeiten der Menschen in vorher nicht gekanntem Ausmaße zu verändern. Eisenbahnen stellten politisch gewachsene Strukturen in Frage.

Mit dem Beginn der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts setzte eine Entwicklung ein, die schon im Urteil vieler Zeitgenossen etwas nie Dagewesenes hervorbrachte nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens erfasste. Vielleicht begann da schon der "Aufbruch in die Moderne.“

Viele der bisher für allgemeingültig und unumstößlich gehaltenen Normen und Gesetze - auch im Bereich der Naturwissenschaften - wurden in Frage gestellt.

Damit zwangsläufig verbunden war eine neue Welterfahrung, ein neues Welt- und Menschenbild, das sich in vielen Bereichen deutlich zeigte, u.a. auch in der bildenden Kunst, der Architektur, in der Musik und in der Literatur.

Große wissenschaftliche Entdeckungen und ingenieurtechnische Leistungen sind Zeugnisse der Moderne – man denke an den ersten Nobelpreisträger Röntgen, an den Mediziner Koch, an Hertz, an Einstein, nicht zuletzt aber auch an Diesel, Otto, Daimler und Benz, Marconi und Gustave Eiffel.

Große Kunst wurde hervorgebracht – die Musik eines Prokofiev oder eines Schostakovitch zum Beispiel.

Für die Literatur stehen stellvertretend die Werke eines Kafka, eines Hesse und eines Rainer Maria Rilke.

Die Psychologie etablierte sich als Wissenschaft. Freud und Fromm, Jung und Adler wären zu nennen.

Wirklich von Fröbel inspiriert war und ist bis heute die Pädagogik, die in dieser Zeit als „Reformpädagogik“ihren Anfang nahm. Ohne z. B. Maria Montessori zu vergessen, seien hier zwei pädagogische Ansätze erwähnt, die sichtbar auch von Fröbelschem Gedankengut inspiriert worden sind:

·          die Landerziehungsheimbewegung von Hermann Lietz

·          und die Jenaplan-Pädagogik des Peter Petersen, der immerhin im Vorstand des Thüringer Fröbelvereins Sitz und Stimme hatte.

Auch in der Politik gab es Wandel. Man könnte das Zerbrechen des alten Europa und die darauf folgenden Jahrzehnte dauernden Konflikte hier vertiefend thematisieren.

Da wir aber gerade den Fokus auf Friedrich Fröbel gelegt haben, soll hier der Beginn der Frauenbewegung in jener Zeit, die wir heute als die „Moderne“ bezeichnen, herausgehoben werden.

War es doch wiederum Fröbel, der mit der Schaffung des Berufes der Kindergärtnerin und deren Ausbildung – wie Diesterweg es ausdrückte – „... die wahre Emancipation des Weibes ... anbahnte und einleitete.“

Relativ weit ab von der Fröbel- Wahrnehmung in Deutschland wird momentan vor allem in den USA und Kanada Fröbel aber auch als einer der Inspiratoren der modernen Kunst und Architektur diskutiert.

Auslöser dieser Diskussionen war u.a. das Buch “Inventing Kindergarten”des amerikanischen Architekten Norman Brosterman

In einer Zeitschrift war im November 1997 unter der Überschrift “Bauklötze staunen” dazu u.a. folgendes zu lesen:

Der Schöpfer des Kindergartens ... konnte diese Folgen seiner pädagogischen Lehre weder absehen, noch lagen sie in seiner Absicht. Der Kunst und Architektur seiner Zeit war die radikale Abstraktion fremd. So aber hatte Fröbel unter den Kindern eine Saat gestreut, die weit leuchtend in Quadraten, Dreiecken und Kreisen am Kunsthimmel aufging.

Bereits 1924 hatte der Direktor des Staatlichen Bauhauses Weimar, der weltberühmte Architekt Walter Gropius in der Zeitschrift “Kindergarten” Pläne für ein Friedrich- Fröbel-Haus in Bad Liebenstein veröffentlicht.

Dabei schienen nicht nur Bauhaus-Architekten in ihrer Kindheit von Fröbels Spielgabensystem beeindruckt worden zu sein, denn auch in Bildern von Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Mies van der Rohe u.a. tauchen immer wieder entsprechende Motive auf.

Brigitte Werneburg schrieb am 7.6.1996 in der Frankfurter Rundschau:

Weil freilich nur Frank Lloyd Wright auf seine Fröbel- Erfahrung zu sprechen kam, nahm die Fachwelt diese Quelle zwar zur Kenntnis, allerdings mehr als eine persönliche Marotte. Jetzt entdeckte der Architekt und Sammler Norman Brosterman in ihr aber die Erfahrung einer ganzen Generation. ....

Wenn ein pädagogischer Ansatz und ein pädagogisches Instrumentarium (wenn man Fröbels Spielgabensystem als solches ansehen möchte) in der Lage ist, viele Jahrzehnte nach dem Tode seines Schöpfers neue, ungeahnte Potentiale zu entfalten, so muss das Grund genug sein, weitere Fragen zu stellen.

Das hat nichts mit “Fröbelianismus” zutun, der auch niemandem nützen würde.

Welche Gestaltungsspielräume für pädagogisches Handeln könnten sich vielleicht eröffnen? Wie kann Fröbel, wie kann das Wissen über ihn uns heute nützen?

5 Assoziationen zu Gegenwart und Zukunft

Wir sprechen heute von der “Informations- und Wissensgesellschaft”. Bildung und Erziehung müssen sich daran orientieren.

Wie sehr wird sich der Mensch verändern – oder wie wird er verändert werden.

Was ist dran an der (Horror)- Vision, dass wir uns dem Homunculus nähern, dem Retortenwesen aus Faust.

Wird nun aus Dichtung Wahrheit? Bisher hieß die Grenze Komplexität. Man konnte sich sicher sein, dass es vieles gab, was wir noch nicht gesehen und entdeckt, was technologisch nicht zu beherrschen war. Retortenwesen gehörten doch in das Reich der Geschichten.

Die Genetik hat sich aber der Möglichkeit der künstlichen Schaffung von Menschen schon sehr genähert.

Auch die Entwicklung der Computertechnik muss zu verantwortungsvollem Nachdenken führen.

"Der Computer soll sowohl aufs Wort gehorchen als auch mitreden und übersetzen ... Die nächste Revolution sei dann erst wieder der Datenstecker fürs Gehirn."(Spiegel Nr. 24/12.6.2000)

Der genetisch gezüchtete Mensch mit den erwünschten Eigenschaften, der implantierte Nano-Chip, der dem Menschen das ICH stielt - undenkbar? Abwarten?

"Innerhalb von 30 Jahren werden wir Implantate ganz sanft einsetzen können, mit Nano- Robotern, die sich in der Blutbahn vorwärtsbewegen. Durch den Zusammenschluss mit intelligenter Technologie werden wir unsere Intelligenz steigern." Spiegel Nr. 24/12.6.2000

Vielleicht sind wir eines Tages wirklich in der Lage, den “Stecker” zum Gehirn zu bauen, den Menschen mit Fakten, Fakten, Fakten abzufüllen. Kommt dann der große Paradigmenwechsel?

Man stelle sich nur Folgendes vor: Plötzlich entdeckt man an sich, eine Fremdsprache zu beherrschen, ohne zu wissen, wann und wo man sie je gelernt hat! Und: Man könnte so ja auch ganz Anderes lernen!

Müssen wir uns dann wirklich von Kindheit verabschieden? Oder müssen wir nicht eher “Kindheit neu denken”?

Worauf sollte aber dieses (Nach)denken fußen?

Es sollte wohl auch mit dem Besinnen auf Fröbel zu tun haben, einem der ganz wenigen „Klassiker“ der Pädagogik, dessen Bilden und Erziehen in Theorie und Praxis auch die früheste Kindheit einschloss. Fröbel,

·          dessen Menschenerziehung weitestgehend frei war von Ideologie und Kurzschrittigkeit,

·          der die Entwicklung des Menschen im Zusammenhang von Innen und Außen, Tun und Erkennen, Denken und Fühlen - also der Ganzheit des Individuums betonte,

·          der denkend tätig sein und denkend tätig machen als Quelle produktiver Erziehung sah, zur Selbsttätigkeiterziehen wollte,

·          der die entwicklungsgemäße gleichzeitige harmonische Ausbildung aller Körperkräfteanstrebte,

·          der auf die Unterstützung von Familienerziehungabzielte,

·          und dessen Sozialisationsprinzip “Lebenseinigung” hieß, tätiges eins werden mit dem Leben – mit den Menschen, der Natur und dem alles verbindenden Gott,

kann ein Einstiegs- und Orientierungspunkt für das Nachdenken und das Handeln sein.

Und vielleicht haben auch Visionen ein wenig mit dem Blick zurück zu tun.

Fröbel wird wohl noch gebraucht.

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