Auszüge aus der Darstellung Friedrich Fröbels
"Das Kinder-, Jugend- und Volksfest zu Altenstein bei Bad Liebenstein in Meiningen am 4. August."
aus:
Friedrich Fröbel`s Wochenschrift
Ein Einigungsblatt für alle Freunde der Menschenbildung
bearbeitet von Kerstin Lange und Dr. Matthias Brodbeck
Heft Nr.:
Nr. 31 & 32; Montag, den 5.
und 12. August 1850
Nr. 33 & 34; Montag, den 19. und 26. August 1850
Nr. 35 & 36; Montag, den 2. und 9. September 1850
Friedrich Fröbel`s Wochenschrift
Ein Einigungsblatt für alle Freunde der Menschenbildung
Nr. 31 & 32; Montag, den 5. und 12. August 1850
Das Kinder-, Jugend- und Volksfest zu Altenstein bei Bad Liebenstein in Meiningen am 4. August.
Den schlechten Mann muß man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbracht. (Schiller)
Wie jede Zeit einen bestimmten Charakter hat, sei es Tages- oder Jahreszeit, so gleicht sie auch einem bestimmten Menschenalter: Der Morgen ist der Ausdruck des neu erwachten Lebens, wie der Frühling der Ausdruck der Kindheit und der Jugend des Menschengeschlechtes. Mittag und Sommer sind gleich dem vollendeten Jünglingsalter, es ist die Zeit der Reife des In-sich-Abgeschlossenen u.s.w; was nun stattfindet in Beziehung auf das Menschengeschlecht, auf die Menschheit und jeden einzelnen Menschen. Die Menschheit hat ihre Entwicklungsstufen, die im Vorhergehenden schon angedeutet sind. Wie das Kind und die Jugend die Tages- und Jahreszeiten durchlebt und in denselben fröhlich, zufrieden und glücklich ist, ohne sich von dem Wesen und der Bedeutung seines Lebens nur irgend andere Rechenschaft zu geben, als eben die des Aus-sich-herauslebens; so lebt auch das Menschengeschlecht im Allgemeinen die großen Zeitabschnitte seiner Entwicklung unbewußt. Die Erfahrung und Einsicht geht indes dem Kinde zur Seite, um ihm das Leben zu deuten, durch Erzählung oder Anschauung von irgend einer lebensvollen Sachdarstellung. Was nun von der Erfahrung und Einsicht in Beziehung auf die Kindheit und Jugend geschieht, das muß von den Erfahrenen und über das Leben Klaren eben so in Beziehung auf das Menschengeschlecht und die Menschheit vollbracht werden; es muß derselben, wenigstens durch Wort und Erzählung oder Reden klar und eindringlich gemacht, oder durch Sach- und Lebensdarstellungen die Bedeutung der Zeit und ihre Forderung zur Einsicht und Anschauung gebracht, dargelegt werden.
Wie wir jetzt in Beziehung auf die Zeit des Jahres im Sommer, in der Zeit der Frucht- reife, leben, wo jedes einzelne Samenkorn gleichsam das Ganze seines Gewächses in sich aufnimmt, um es wieder in Jugendkraft, Frische und Lebensgesundung zu seiner Zeit hervorzuleben, so lebt auch die Menschheit jetzt die Zeit der Aufnahme und der Einigung des ganzen Lebens in sich zur reifenden Frucht, um es gereift, in Klarheit und Selbstbestimmung wieder aus sich und außer sich zu gestalten.
Der Charakter der Jetztzeit, der jetzigen Menschheitsentwicklungsstufe ist also die Einigung der Gesamtheit des ganzen Geschlechtes zur Aufnahme, und somit zur Einsicht in das Wesen und die Erkenntnis der ganzen Menschheit, um sie im Einzelnen und als Einzelnes, wie in Gemeinsamkeiten wieder zu durch-, und gestaltet darzuleben. Dieser Charakter der jetzigen Zeit: allseitige Lebenseinigung, muß aber den Menschen, von denen wir erkannten, daß sie sich zur Zeit wie die Kinder und Jugend verhalten, zur Anschauung und Einsicht gebracht werden, am besten durch Selbstdarstellung.
Das Spielfest am 4.August auf dem Altenstein hatte nun in sich den bestimmten Zweck:
der aufwachsenden Kindheit und Jugend, wie der, in gewisser Hinsicht, auf der Stufe des kindlichen und jugendlichen Unbewußtseins stehenden Menge, die Forderungen der Zeit zur Anschauung und Einsicht zu bringen, damit Jeder an seinem Teil und nach dem Grade seiner Ausbildung und Fähigkeit der gesunden Entwicklung der Zeitforderung zu Hilfe komme, daß endlich die Menschheit schön ausführe und rein darstelle, was die an sie ergebende Forderung und Aufgabe ist: allseitig einiges Leben. Dem ganzen Spielfeste liegt daher der Gedanke, die Idee zu Grunde, und sie sollen durch dasselbe anschaulich dargestellt werden: daß das Leben an sich ein Ganzes sei, aber in jedem Zeitabschnitte desselben eine bestimmte Aufgabe zu lösen habe, zu deren Erfüllung jeder Einzelne nach Maßgabe seiner Fähigkeit mitzuwirken die Bestimmung habe. Zu diesem Zwecke wurde nun auch das ganze Äußere geordnet. Der gewählte Spielplatz war auf einer bedeutenden Anhöhe, wo eine schöne Rundsicht, beinahe von einem ganzen Kreise, die Mannigfaltigkeiten und Einzelheiten der Umgegend , eine schöne Natur und ein stilles, doch reiches Menschenleben in friedlicher Einigung zeigte, welcher größtenteils von fernen, blauen Bergen begrenzt wurde. Einklang und Harmonie des Einzelnen und Ganzen , dadurch, daß eben Jedes an seiner rechten Stelle und in seiner entsprechenden Wirksamkeit erschien, dieser friedige und freudige Ausdruck wahrer Lebensfreiheit war der Eindruck des Ganzen.
Auf dieser Höhe war ein besonderer Spielplatz abgesteckt, dessen Durchmesser ungefähr 80 Schritt betrug, der an seinem äußeren Umkreise einer Menge von mehreren Hundert an dem Feste Teilnehmenden, zur ungestörten Beachtung des Ganzen, Raum bot. Dieser Platz außer dem Spielkreis war den Kinder-, Jugend- und Volksfreunden zur Beschauung frei gegeben. Die spielenden Kinder waren aus fünf Orten der Umgegend, wovon der eine eine Stadt, die anderen Dörfer. Es sollte dieser Beschreibung des Spielfestes erst eine Geschichte seiner Entstehung beigefügt werden: wie der Gedanke desselben seit länger als einem Jahre in mehreren der Ausführenden sich hervorgearbeitet hat und endlich zur Wirklichkeit geworden; so be- lehrend dies nun auch nach zwei Seiten hin sein würde; einmal sich nicht gleich bei Hemmnissen von der Ausführung eines guten Gedankens abhalten zu lassen, sondern denselben bis zur günstigen Zeit treu in sich zu pflegen; dann, was vertrauensvolle, achtende und freundliche Mitwirkung und Handbietung, zur schönen und befriedigenden Ausführung auch eines vielgegliederten Ganzen vermögen - so bleibt dies doch hier unausgeführt, wo es sich bloß um die Darlegung des Geistes und Wesens eines Kinder- und Jugendspielfestes handelt.
Hervorgehoben soll nur werden, daß die ungeteilte Teilnahme der Lehrer der Stadt Salzungen mit einem Teil ihrer Kinder- und Schülerschaar, die Teilnahme der Lehrer und Kinder aus den Dörfern Steinbach, Schweina, Liebenstein und Marienthal dem Ganzen den schönen Ausdruck der Einigung gab. Doch auch hier werden die Ausschmückungen der verschiedenen Spielgenossenschaften mit Kränzen etc. und namentlich der Salzunger mit ihren geschmückten Wagen etc. nur erwähnt.--
Der spielenden Kinder waren über 300; der sich bei Aufführung des Ganzen beteiligenden Erwachsenen 20-25. Die erste Erscheinung, welche das Spielfest bot, war diese, daß dasselbe Kinder aus den verschiedensten Lebensverhältnissen und von den verschiedensten Bildungsgraden vereinigte.
Es waren also zuförderst lauter Einzelheiten, die zur Ausführung des Festes zusammentraten; aber eben zur Ausführung eines Gedankens, einer Idee bestimmt, und äußerlich fest verbunden, indem jeder frei tätig mitwirkte, und so war das Ganze nicht nur ein Fest, sondern ein Spielfest. Damit aber in der Menge auch eine äußere Zusammenordnung stattfände, hatte jeder Teilnehmende der verschiedenen Orte, oder einiger zusammen, sich für ein Zeichen äußerer Einigung verständigt, nämlich für farbige Bänder, wodurch jedes einzelne Glied wieder als Glied eines größeren Ganzen erschien, und dieses sich wieder als Teil der umfassenden Gemeinsamkeit erkennen konnte. Vergessen wir es also nicht, um die Ausführung einer höheren inneren Lebenseinigung zu bewirken, mußte zuvörderst ein äußeres Zusammentreten, Zusammenordnen stattfinden. So versammelten sich die Kinder an jedem einzelnen Ort, dann zunächst im Dorfe Schweina unterhalb Altenstein unter Leitung ihrer Spielführenden: Lehrer, Erzieher, Kindergärtner und Kindergärtnerinnen; und wieder äußerlich zusammengeordnet nach dem Alter, resp. Größe traten sie in Reihen zu vier und vier, wovon die Kleinsten den Anfang, die Größten den Schluß machten. So bildeten sich Kolonnen von gleichlaufenden Reihen je zu 4 und 4, zu der Linken der Kolonnen gingen leitend und führend die Spielführerinnen. So ging um 2 Uhr der eine Zug von Schweina nach dem Altenstein. Hier fand man sich mit der Spielgenossenschaft aus dem Dorfe Steinbach an dem bestimmten Einigungsplatz zusammen, von wo aus wieder die Kleinen den Zug eröffneten, die Größten schlossen. Ein neues Element trat hier hinzu: es war der Rhythmus und Takt, der im Gesang den einigenden Gedanken, die einigende Idee aussprach. So gelangte der Zug zuerst an dem Hauptplatz und dann an dem besonders bestimmten Spielplatz an, welche beide auf eine angemessene Weise herausgehoben waren. An dem Eingang in den allgemeinen Spielplatz sprachen die oben angeführten Worte Schillers:
"Gar hoher Sinn liegt oft im Kinderspiel" in einem Blumenkranze und an einem Eichengewinde hängend, die Idee des ganzen Spielfestes aus, nämlich, daß dadurch eine große Zeit- und Lebensansicht dargestellt und zur allgemeinen Volkseinsicht gebracht werden solle:
Die Idee der allseitigen und allgemeinen Lebenseinigung, bei völliger Freitätigkeit, wie auch Selbstwahl und Selbstbestimmung des Einzelnen, so zur Befriedigung des Einzelnen und des Ganzen.
Die Darstellung dieser Idee und Veranschaulichung derselben begann nun gleich mit dem Eintritt der Spielenden in den Spielkreis.
Wie mehrfach ausgesprochen, war bis zu diesem Momente die ganze Schar ein, nur durch äußerliche Bestimmungen Zusammengeordnetes und in sich durch die Idee, den Gedanken Geeintes. Jeder Einzelne der Teilnehmenden hatte bisher weder das Ganze überschaut, noch seine Stellung, Platz und Ort im großen und Ganzen erkannt und eingenommen.
Darum, wie das gesamte, das Spielfest ausführende Ganze abteilungsweise in den Kreis eingetreten war, ordnete sich dasselbe dicht innen an dem abgrenzenden Kreise so, daß jedes Glied des Ganzen von zwei seiner Spielgenossen berührt wurde, sämtliche Gesichter nach der Mitte des Kreises gerichtet waren und so Jeder das Ganze überschaute, seine Stellung im Ganzen und zu jedem Einzelnen. Auf diese Weise sollte jedem Teilnehmenden das Wirksamste und Höchste der Lebensanschauung werden, nämlich:
1. die der äußerlich unsichtbaren, aber doch das Ganze bestimmenden Einheit, hier die unsichtbare und doch den Kreis bestimmende Mitte;
2. die Anschauung des Ganzen und zugleich aller Glieder dieses Ganzen bis in das Einzelne; und
3. die Erkenntnis und Anschauung seiner selbst an seiner Stelle, seinen Platz im Kreis, sein Verhältnis zu jedem Einzelnen im Kreise, wie zu dessen Mitte und so in Beziehung auf die an ihn zu machenden und von ihm zu erfüllenden Forderungen.
Die Einheit gleicht dem Mittelpunkt, die Mannigfaltigkeit sich aussprechend in allen Gliedern, die Einzelheit in jedem Spielenden.
* Auf diese Weise wurden wieder 3 Anschauungen in dieser Spieldarstellung möglich:
1. die der unsichtbaren, innerlich innersten Einheit,
2. die der sichtbaren Mannigfaltigkeit, Äußerlichkeit,
3. die der Einzelheit, Sonderheit, Persönlichkeit.
* In dieser Stellung, worin natürlich die Spielführerinnen und Kinder gleichmäßig verteilt waren, sollte das Lied gesungen werden: "Seht uns hier im Vereine usw.", man erkannte aber, daß der Kreis zu groß sei, die Stimmen verhallen und nicht als Ganzes erscheinen würden; so wurden das Ganze der 300 und mehr Spielenden, die einzelnen teilnehmenden Orte berücksichtigend, in 8 gleichlaufende Kreise zusammen geordnet in der Mitte des Spielplatzes; und hier begann nun der gemeinsame Gesang:
Seht uns hier im Vereine,
Daß die Eintracht erscheine
In dem heiteren Spiel;
Ordnung schön uns verbinde,
Liebe in allem sich finde,
Bringe der lieblichen Früchte so viel.
Durch dieses Zusammenordnen sprach sich aus:
Richt nur ein einzig großes Ganze kann durch eine Einheit, Einen Gedanken, Eine Idee verbunden sein, sondern untergeordnete Ganze oder Kreise der verschiedensten Ausbildungen können sich ganz nach dem Grad und Maße ihrer Ausbildung um einen und denselben Mittelpunkt ordnen. Das Getragenwerden von einer Idee schließt die Ausbildung untergeordneter Ganze nicht aus.
Die Kreise bewegen sich, indem die ganze Schar das obige Lied sang, abwechselnd in verschiedenen Richtungen, halb rechts, halb links, so durch die Sache und Tat andeutend und aussprechend: nicht nur die besondere Bildung wird durch verschiedene Richtungen nicht ausgeschlossen, sondern sogar nicht einmal die eigentümliche, dem Anderen wohl gar ein entgegengesetzte, wenn nur die einende Idee festgehalten wird:
Also Durchdrungensein von einem Grundgedanken schließt weder die Bildung eigener Kreise an und für sich, noch die in ihrer äußeren Erscheinung entgegengesetzte aus.
Bei diesem Spiele tritt dem Beachtenden ferner noch entgegen: In einem so zusammengeordneten Lebensganzen bewegt sich der Mensch, wie das Kind in Heiterkeit und Frohsinn.
Nun zum Spielen selbst zurück.
Die bisher gleichlaufenden Kreise trennten sich nun so, daß jeder an seiner Rechten mit dem Nächstfolgenden an seiner linken verbunden wurde, und nun sämtliche Kreise ein einiges, wie einem Faden fortlaufendes Ganzes bildeten. Die Spielführerin am linken Ende des mittelsten Kreises trat nun in die bisher unsichtbare Mitte des Ganzen und alle übrigen Kreise wanden sich um diese herum, wie ein Faden um den Knäuel, und sangen dabei die Worte:
"Fädchen, Fädchen, wie ein Rädchen
Dich um deinen Anfang winde,
Daß man dich als Knäuel finde." -
Alle Teilnehmenden waren so, durch die Mitte bestimmt zu einem großen, einigen Ganzen zusammengeordnet worden und hatten gleichsam erkannt, daß die Mitte ihr Handeln bestimmte. Die unsichtbare Mitte war in ihrer anziehenden und einigenden Kraft sichtbar geworden, und so entwickelte sich das Ganze wieder aus der Mitte, wie die Pflanze durch den Keim und den Herzpunkt, unter dem Singen der Worte:
"Fädchen, Fädchen,
Wie ein Rädchen
Löse dich von Innen wieder
Beim Gesang der muntern Lieder."
Um nun diesen Gedanken der Einigung auch dem anderen Ende des großen Kreises, und somit allen Gliedern desselben zur Einsicht zu bringen, wiederholte sich das Vorige so, daß nun die Spielführerin am anderen Endpunkt in die Mitte trat, und sich nun um diese das Ganze, unter gemeinsamem Singen des ersten Liedchens wand und dann, Alle aufgewunden und so gleichsam zum zweitenmal die Mitte erkennend, sich abermals von Jenen löste und sich dann wieder der erste große Kreis bildete beim Gesang der Worte:
"Fädchen, Fädchen, nun verbinde
Mit dem Anfang sich das Ende,
So nun schön das Spiel sich wende."
Es ist sehr beachtenswert, daß dies Spielchen ein Lieblingsspiel der Kinder ist, dem sich, selbst die jüngsten der zu den Bewegungsspielen herangewachsen, gern sich zur Lust anschließen
Der Grundgedanke des Ganzen: die individuelle und Sonder-Ausbildung des Einzelnen im großen Lebensganzen, war als Erscheinung im Bisherigen ausgeprägt. Dieser Gedanke sollte nun noch mehr hervortreten; es sollte unmittelbar an und in den freien Kinderspielen gezeigt werden, wie er im wirklichen Leben klar und wahr auszuführen sei, und so traten nun einzelne Spiele oder vielmehr Spiele einzelner Abteilungen ein.
Friedrich Fröbel`s Wochenschrift
Ein Einigungsblatt für alle Freunde der Menschenbildung
Nr. 33 & 34; Montag, den 19. und 26. August 1850
Das Kinder, Jugend und Volksfest zu Altenstein bei Bad Liebenstein in Meiningen am 4. August. (Fortsetzung)
Zuerst die des Kindergartens von Marienthal, welcher Kinder von erst 3 Jahren bis aufsteigend in sich schloß. Es bildeten sich nun 2 Kreise, die Kleineren im kleineren Kreise in der Mitte, die Größeren im größeren Kreise ihn umfangend. Sie begannen wieder mit entgegengesetzter Bewegung der beiden Kreise unter Gesang des Liedchens:
"Wir haben uns zum Kreis gestellt,
Geeintes Spiel uns wohl gefällt;
Dem Herzen Freudigkeit es gibt,
Dem Körper und den Geist es übt."
Woran sich ein Lieblingsspiel der Kleinen, "das Kindchen senkt sich wieder," schloß, begleitet von dem Liedchen:
"Das Kindchen senkt sich nieder
Und hebt sich senkrecht wieder,
Senkt Ach, hebt sich, Senken, heben;
Wie kann das Kindchen schweben!"
und mit Übungen, welche zeigten und aussprachen, daß der Mensch erst seinen Körper, seine Glieder und Sinne gebildet haben müsse, bevor er selbständig und selbsttätig auftreten könne, und daß er, wenn er in menschlicher Lebenseinigung leben, und wirken will, gleichmäßig von der Idee und dem Gedanken, dem Bewußtsein, hier ausgedrückt im Gesangswert, als von entwickeltem Körper-, Glieder- und Sinnengebrauch, hier ausgeprägt durch die Spielbewegungen, getragen werden müsse. Als besonderer Ausdruck des Spieles trat noch entgegen, daß der Mensch diese Stufe geeinter Ausbildung nur erlangen könne durch wiederholte Prüfung und Übung. Deshalb würde in dem Spiele:
"Das Kindchen senkt sich nieder" die entgegengesetzte Tätigkeit des Senkens und Hebens, dessen endliches Ergebnis das Schweben war, so wie das Spiel selbst, den Kindern zur Lust, mehrmals wiederholt. Ein zweiter Ausdruck desselben war, daß das Kind, in der durch Übung gewonnenen Höhe, sich besonders durch die Gemeinsamkeit halten könne. An dieses Spielchen schloß sich, indem sich zunächst aus den 2 Kreisen wieder einer bildete, das sogenannte "Stern- und Kronenspiel" an mit dem Gesang:
"Seit´an Seite, o, wie schön !
Laßt im großen Kreis und drehn,
Mög´der Kreis uns wohl gelingen !
Laßt dabei Gesang erklingen !
Doch nicht minder ißt es schön,
Sich in kleinern Kreisen drehn...
Hier teilte sich der große Kreis in 6 kleinere Kreise und in der begonnenen Richtung sich fort drehend wurde auch fort gesungen:
"Und zu singen froh doch leise
Stets nach heitrer Kinderweise":
Als Deutung sprach sich darin einfach aus: Die große Lebensanschauung, welche der große Spielkreis bot, nämlich die dreifache der Einheit, der Allheit und Einzelheit, diese Anschauung trat nun in dem kleinern Kreise dem Kinde noch klarer entgegen, doch sie sollte dem Kinde zur Sachanschauung, zur Einsicht erhoben werden, darum die auffordernden Worte der Kindergärtnerin:
"Schöner läßt`s im Kreis sich drehn,
Wenn wir auch die Mitte sehn",
und die Aufforderung an irgend ein Kind im Kreise
"Liebe(r), ich bitte,
Zeig uns die Mitte,
Daß wir Sie sehn,
Froh um sie drehn."
Das bezeichnete Kind tritt nun in die Mitte des Kreises und spricht, mir der rechten Hand vor erst vor sich auf die Mitte, dann sich nach links drehend, auf den Kreis zeigend:
"Dies ist die Mitte, das ist der Kreis,
Drehet euch um und singet mit Fleiß."
Der Aufforderung folgend drehte sich nun jeder der sechs Kreise nach rechts, dabei singend:
Im Kreise, im Kreise rundum wir uns drehn,
Nach der Mitte, nach der Mitte wir gern dabei sehn."
Wie aber jedes nur durch den Gegensatz klar wird, so wiederholte das Kind auch mit der linken Hand deutend und sich nach rechts drehend, singend die vorigen Worte und Aufforderung, welcher der Kreis, sich nun links drehend in gleicher Weise wie vorhin Folge leistete.
Das Kind richtet nun, weiter singend, die Aufforderung an den Kreis:
"Im Kreise, im Kreise nun bleibet ihr stehn,
In der Mitte - in der Mitte nun dreh ich mich schön".
Und was das Liedchen sagt, führt das Kind sich drehend aus.
Für Diejenigen, die sich durch ihre Einbildung das Spiel vergegenwärtigen können, ist es nicht nötig, anzudeuten, wie sich immer die Gegensätze vereinigen und durch dieselben stets das Entgegengesetzte klar wird. So bei der ruhenden Mitte der sich bewegende Kreis und umgekehrt. So sollte nun dem Kinde die Ahnung der dreifachen Anschauung und seines dreifachen Verhältnisses, welche der große Kreis in dem Kinde hervorrief, in dem kleinen Kreise nicht nur wahrnehmbarer, sondern durch das Kind selbst dargestellt werden, darum nun die Aufforderung an dasselbe:
"Du hast erfüllet unser Wort,
Tritt nun zurück an deinen Ort."
Was zeigt uns diese erste und letzte Tätigkeit des Kindes als aus dem Umkreis in die Mitte desselben, und aus dieser wieder in den Umkreis zurück treten ? - Es zeigt uns die Verknüpfung der Einheit mit der Allheit oder, durch das Besondere bezeichnetem der Mitte mit dem Umkreis; es zeigt uns, daß das Kind durch diese Doppeltätigkeit in sich ein zweifaches entwickelt und aufgenommen habe, nämlich durch die erste und letzte Forderung: "Liebe(r) ich bitte usw." und: "Du hast erfüllet unser Wort usw." und: das Gefühl der Persönlichkeit und Einzelheit. Durch die weitere Aufforderung: "Zeig uns die Mitte etc." wurde das Kind angeregt, einmal: durch Vergleichung der Gesamtheit, oder des Umkreises die Mitte zu finden und sie zu vertreten, oder das Wesen der Mitte in sich aufzunehmen, ferner: das Verhältnis des Umkreises zu sich, und zwar durch die immer gleiche Entfernung von demselben, in sich aufzunehmen und so das Wesen der Mitte darzustellen. Wie das Kind bei der ersten Aufforderung: "Liebe(r) ich bitte" usw. das Auffinden der Mitte im Auge haben mußte, so muß dieselbe bei der zweiten "Du hast erfüllt" usw. ganz besonders den Umkreis und das Auffinden seines Platzes im Auge zu haben. Die Wichtigkeit seiner Stellung, seiner Stelle(Ort, Platz) im Ganzen (Kreise), seine Beziehung zur Einheit oder der Idee, zu dem Grundgedanken des Ganzen, und die Auffassung dieses Ganzen selbst ist schon mehrfach angedeutet worden; es erscheint auch bei Wiederholung dieses Spieles fast unmöglich, daß dieselbe für das Leben des Kindes ohne Wirkung bleiben, daß dasselbe in seinem Innern nicht mindestens ein, wenn auch ein dunkles, doch lebendiges Gefühl dieses dreifachen Verhältnisses, zu sich, zum Ganzen und zur Einheit wecken solle; so wie die Wahrnehmung, daß die Einheit (Mitte), der Gedanke das eigentlich Bestimmende, das Wirkende sei. Das Spiel entwickelt sich weiter und die Spielführerin fährt fort:
"Aus der Mitte kommen Strahlen,
So laßt einen Stern uns malen."
Bei dem Worte Strahlen reichten sich die Kinder, jedes der sechs Kreise, in der Mitte ihre rechte Hand und bei den Worten: "So laßt einen Stern usw." erheben die Kinder sämtlich ihren linken Arm, gleichsam den Stern aus sich herausstrahlend; dabei sich rechts drehend und singend:
"Jetzt bilden wir den Stern,
Jetzt bilden wir den Stern,
Klar wie am Himmel fern,
Wer sähe ihn nicht gern!"
Nun die linken Hände in der Mitte sich einigend und die rechten nach außen kehrend, zugleich im Gesang fortfahrend:
"Dort loben Sterne rein
Gott, ihren Schöpfer, fein:
So preisen fröhlich wir
Gott, unsern Vater, hier."
Durch das gesamte Spiel wurde ja die Ahnung geweckt, daß das Einzelne aus dem Ganzen, einem Einigen, hervorgegangen sei, so ist nun wohl durch das Gefühl in dem Kinde der Gedanke vorbereitet, daß also auch der Mensch als Kind aus Gott dem Ureinen hervorgegangen sei und ihm so, wie das eigentlich jedes Daseiende tue in seinem Erscheinen und Dasein, durch dasselbe, durch sein Leben und Tun, ihn preise und ihm danke.
So führte also die Betrachtung von der Mitte, der Einheit, durch die Sterne, zur Einzelheit zurück; nun gleichsam auf die Erde zurück gekehrt, fährt die Spielführerin fort:
"Wie sich Sterne friedlich neigen,
Wollt nun stille Blumen zeigen."
Bei dem Worte Blumen legen die Kinder die rechte über die linke Hand, die linke des Nachbars dabei ergreifend, so gleichsam eine mehrblätterige Blume darstellend, je nach der Zahl der Kinder, dieselben singen dabei, sich zugleich rechts drehend:
"Jetzt stellen wir die Blumen dar,
Wie blühend sie im Garten war,
Mit ihren frohen Blicken
Den Gärtner zu beglücken."
Also überhaupt Pflege des inneren Lebens und Dankbarkeit dafür. Nun den linken Arm über den rechten legend und links drehend, also das Vorige in entgegengesetzter Weise darstellend und von der unbewußten Blume sich zum bewußten Menschen, zum fühlenden Kinde wendend:
"Wie Blume in dem Garten sprießt,
So Kind im Kindergarten ist:
Es mag mit frohen Blicken
Die Pfleger gern beglücken."
Was trat notwendig durch dieses Ganze dem Kinde für eine Anschauung entgegen ? Die des Hinwenden von dem Allgemeinen zum Besonderen (vom Himmel zur Erde), von dem sogenannten Leblosen (Sternen) zu der belebten Natur (Blumen) und von der Natur, der leblosen sowohl, wie von der belebten, zu dem Menschen, zum Kinde und dessen Pflegern und zu der Wirkung der Pflege in dem Kinde: durch die Tat (es mag mit frohen Blicken) seinen Pflegern dankbar zu sein.
Doch das Kind wünscht, daß diese Dankbarkeit nicht nur eine Tat seiner Blicke, sondern gleichsam eine Sache, ein wirklicher Gegenstand sei und werde, sich an einen wirklichen Gegenstand knüpfe. Die Kindergärtnerin, gleichsam das sich schon bewußt gewordene Kind darstellend, und so das, im Gemüte des noch jüngeren Kindes Vorgehende leicht ahnend, gibt dem Wunsche desselben Worte, indem sie singt:
"Stern`und Blumen uns entzücken,
Doch nicht wen`ger Kronen schmücken."
Bei dem Worte Kronen lassen alle Kinder ihre Hände los, erheben ihre Arme, nach der Seite hoch gegen einander und legen ihre Hände mit der inneren Seite gegen einander, sie so in einem spitzen Winkel bis zur Höhe des Kopfes erhebend; sich dabei rechts drehend und die Worte singend:
"Kommt her, seht unsre Kronen
Der Eltern Lieb zu lohnen;
Wir bilden sie mit Fleiß
Zu ihrer Lust und Preis"
sich dann wieder singend links wendend:
"Die teuren Eltern ehren
Die uns so früh schon lehren,
Des Kindes Herz erfreut,
Die Kron` es ihnen weiht",
welche kindliche Dankbarkeit und Liebe ihnen bildet. Welche Anschauung hier für das Kind ? - Bewußte Einkehr in die Familie und die das Familienleben, sich in demselben als Kind und seine Eltern als seine Pfleger, Erzieher und Bildner kennen zu lernen. Die Familie als solche, wenn auch aus einer Mehrheit zusammengesetzt, ist immer nur ein Einzelnes, wie jede Blume aus einer Mehrheit bestehend, als ein in sich abgeschlossenes Einiges und Einzelnes erscheint. Die Familie ist ein Glied einer größeren Gemeinsamkeit, der Gemeinde des Volkes, als eines höheren Ganzen, welches eben dadurch ein wahres Ganzes wird, daß es in seinem Leben und Tun einer einigenden Idee, einem Grundgedanken folgt und im Leben darstellt.
Die Ideen aber, ihre Darstellungen werden durch Kränze bezeichnet, der Schilfkranz des Flußgottes, der Lorbeerkranz des Dichters, der Eichenkranz der Deutschen, der Myrthenkranz und Rosenkranz der Tugend usw.. Von diesem Gedanken belebt fährt die Spielführerin fort:
"Einzelne schöner sind verbunden,
Einigungskranz sei noch gewunden."
Bei dem Worte K r a n z lösen sich die einzelnen Kreise auf, und es bildet sich durch näheres Zusammentreten ein großer Kreis als Kranz. Die Kinder singen:
"Schaut unsern Kinderkranz,
Er schließt des Spieles Tanz,
In Liebe er uns einet:
Die Eintracht rings erscheint.".
"Die Freunde hell erglüht,
Wo rings die Eintracht blüht;
Drum laßt in unserm Leben
Nach Einigung uns Streben!"
Gedenken wir dabei der Worte unsers großen Dichters! Freude, Freude ist die Feder in der großen Weltenuhr. Wir kommen so zur Einheit, zum Mittelpunkt alles Lebens, zum wahrhaft lebendig erkannten Ganzen, wie zugleich zur Kenntnis der Bedingungen, unter welchen es darzustellen ist.
Möge die durchgeführte Deutung des Spieles mindestens ahnen lassen, welche Bedeutung ins Einzelne hin jedes folgende Spiel habe, wenn auch die Nachweisung derselben im geringeren Umfang geschehen kann. Ich wollte jedoch bei dieser Andeutung der sinnlichen Bedeutung dieser Spiele weiter nichts, als zu zeigen, daß bei diesen Spielen etwas von den Kindern empfunden ja gedacht, mindestens lebenswichtige Anschauungen angeregt werden können; keineswegs aber meinte ich, daß solche in dem Umfange und besonders in der Klarheit, noch dem Kinde zum Bewußtsein kommen solle; auf das Kind sollen diese Spiele nur wirken, wie das An- schauen einer Blume, der Gesang eines Vogels, ein heiterer Frühlingstag usw. erweckend, erhebend; doch - der Kindergärtner und sie, die liebende Gärtnerin soll es möglichst klar in sich tragen, das wirkt auf das Kindergemüt wie klarer Sonnenschein und laue Luft auf die Keine, Knospen und Blüten im Frühling: - erwärmend, entwickelnd, gestaltend, für das Kind zur Sinnigkeit, Verständigkeit, Vernünftigkeit, Lebensverständnis und Einigung. Mit diesem Spiele schlossen die Darstellungen des Marienthaler Kindergartens.
Teils mit dem Spiele der Marienthaler zugleich, teils nach demselben folgten die Spiele besonders der zweiten Schule aus Steinbach unter der Leitung des Lehrers Herrn Motschmann.
Sie begannen mehrere gleichlaufende Kreise bildend, mit der besonderen Darstellung des schon früher allgemein ausgeführten Spieles: "Wir drehen uns im Kreise usw.", indem sich die Kreise in entgegengesetzter Richtung drehen, um dadurch klar zu zeigen, daß das im Allgemeinen Dargestellte, auch leicht im Besonderen auszuführen sei. Daran schloß sich ihr zweites Spiel in der vorigen Stellung ausgeführt:" Im Kreise wir uns drehend und singend
Im Kreise wir uns drehen
la, la, la, la, la, la, la, la, la,
Einander uns jetzt sehen
la, la, la, la, la, la, la, la, la.
Und auch die Mitte schauen,
Die uns den Kreis hilft bauen."
Pitschi patsch, pitschi patsch.
Dabei als Ausdruck der Freunde über das Gelingen Klatsch in die Hände. Wie vorher gehend, nun auf der Stelle stehend und sich loslassend, kehrten sich nun die Kinder auf das gesungene Bestimmungswort: "Wendet euch nun um!" mit dem Gesicht nach Außen; sich wieder anfassend und singend:
"Im Kreise wir uns drehen,
Einander uns nicht sehen
la, la, la, la, la, la, la, la, la, la
Und doch der Mitte trau
Obgleich wir sie nicht schauen."
Pitschi patsch, pitschi patsch.
Dieses Spiel zeigte, seinem Wort und seiner Ausführung nach, den Geist und die Bedeutung des bisher Erschauten im Zusammenhange, nämlich: daß ein Gedanke , eine Idee, eine Mitte in jedem Ganzen bestimmend wirke, und daß ihr klares Schauen und Erkennen wesentlich zur sichern Ausführung derselben beitrage. Das Sichloslassen, Vereinzeltstehen und auf den Ruf: "Wendet euch nun um," Sich Umdrehen drückte aus, daß Jeder Einzelne das Ganze auch vollständig sich aufgenommen, und selbst und freitätig ausgeführt habe.
Der zweite Teil des Spieles von den Worten geleitet: Im Kreise wir uns drehen, einander uns drehen, einander uns nicht sehen. Spricht aus, daß Derjenige, welcher die Idee erfaßt und sich aufgenommen habe, diesen Gedanken auch in Einklang mit den übrigen Ausführenden darstellen könne, wenn ihm auch derselbe weder aus den einzelnen Handlungen seiner Mitwirkenden, noch aus ihrem Zusammenwirken sichtbar entgegen trete. Die Anwendung dieses Spieles auf die Einsicht und das Verständnis des Einzelnen, des Familien- und Bürger-Lebens liegt hier klar vor, so wie wir dagegen die Anwendung auf das höhere, allgemein menschliche Leben andeuten wollen.
Der dritte und letzte Teil dieses Spieles war, daß jeder der verschiedenen, einzeln gleichlaufenden Kreise sich an einer bestimmten Stelle teilten, und mit gegenseitig gefaßten Händen sich nun nach Außen, Gesicht gegen Gesicht gewendet, sich so lang um sich selbst drehten, bis die Enden sich gegenseitig wieder berührten, dabei singend:
"Nun drehend wir uns wenden,
Bis schließen sich die Enden."
Sämtliche Spielenden standen nun wieder in geschlossenem Kreise, das Gesicht nach der Mitte gekehrt. Der Ausdruck dieses Spieles war, daß das, was jeder Einzelne zwar getrennt von dem Ganzen, aber doch in Übereinstimmung mit demselben auszuführen im Stande sei; auch dem Ganzen, als ein Geeintes auszuführen möglich werde, wenn diese Einigung nur als eine stetige und ausdauernde sei.
Friedrich Fröbel`s Wochenschrift
Ein Einigungsblatt für alle Freunde der Menschenbildung
Nr. 35 & 36; Montag, den 2. und 9. September 1850
Die spielenden Kinder aus Salzungen unter der besonderen Leitung zweier ihrer Lehrer, der Herrn Koch und Meurer, führten in zwei Hauptabteilungen, Knaben- und Mädchen- Spiele zugleich aus; die Marchen in einem großen Kreis gestellt, zuerst das Ringwerfen und Fangen derselben durch einen Stab. Das in der Wirkung und Bedeutung dieses Spielers für die Kinder Anziehende spricht sich in demselben leicht aus: Es ist die Kräftigung, Übung und Gewandtheit, besonders die Kraft des Armes, im Einklang mit der harmonischen Ausbildung des Auges: es ist gleichsam ein Ausdruck des gewöhnlichen Sprichwortes: "Das Glück im Flug zu erhaschen." Also die Entwicklung der Achtsamkeit, vorüber- gehende günstige Umstände des Lebens leicht und schnell zu seinem Ziele zu erfassen. Wichtige Vorbildung für das Leben.
Eine andere Abteilung der Mädchen spielte das Spiel: der Fuchs geht herum, auch unter dem Namen: "Es geht ein böses Ding herum," bekannt. Die Mehrheit der Spielenden stehen dabei bis auf einen in einem Kreis; dieser eine steht außer demselben mit einem zusammen gewundenen Tuch in der Hand, die Kinder dagegen halten ihre Hände so auf den Rücken, daß etwas in sie gelegt und von ihnen fest gehalten werden kann. Das eine Kind geht nun um den Kreis herum und legt Einem, welchem es eben Lust hat, das zusammengewundene Tuch, Plumpsack genannt, in die Hände, welches Dieser schnell ergreift und seinem Nachbar zur Rechten durch einen leichten Schlag auf die Schulter das Zeichen gebend, daß Jener den Plumpsack habe und Dieser von seinem Platze eilen und sich bemühen solle, ohne daß es nötig sei weiter fühlbar anzutreiben, den Kreis zu umlaufen und wieder an seinen Platz zu kommen. Hierauf beginnt das Spiel von Neuem, indem der Spielende, der vorher den Plumpsack bekommen, nun ebenso, wie sein Vorgänger, den Kreis umgeht und irgend einem Anderen, wenn er will, auf die vorige Weise das Tuch in die Hand legt und dieser nun, wie vorher, seinem Nachbar zur Rechten durch einen leichten Schlag, das Zeichen gibt, daß er im Besitze des Tuches sei, und Jener, ohne sich erst durch den Plumpsack antreiben zu lassen, schnell den Kreis umläuft.
Während des Spieles werden die Worte gesungen
"Es geht ein böses Ding herum,
Das wird euch tüchtig zwacken,
Sieht einer nur nach ihm sich um,
So fährt`s ihm auf den Nacken;
Doch kehrt es gar bei Einem ein,
So möchte ich nicht sein Nachbar sein
Die Bedeutung dieses Spieles, welches von den kleinen Kindern in dem Kindergarten stets zugleich mit angeführtem Gesang begleitet wird, ist dem vorigen rein entgegensetzt gleich, und schließt sich so, durch den Gegensatz erklärend, leicht an das vorige an.
Wie nämlich durch das vorhergehende Spiel das Kind aufmerksam gemacht und gewöhnt werden sollte, durch Achtsamkeit und durch den Gebrauch seines Auges eine schnelle vorübergehende Gelegenheit oder ihn günstige Umstände oder Sachen schnell und leicht zu seinen Gunsten zu erhaschen, so soll dieses Spiel das Kind lehren, anleiten, einem sich im nahenden Ungünstigen durch ein gewisses Vorgefühl zur rechten Zeit zu entgehen, ehe es von demselben erreicht wird, indem es nämlich bei dem Spiele möglich wird, den Empfänger des Plumpsackes, als den später Antreibenden durch eine leichte Bewegung des Körpers zu entdecken und so dem Antreiben zu entgehen, ehe es fühlbar wird; die Gesangsworte machen in dem Kindergarten, der Forderung derselben entsprechend, die kleinen Kinder darauf aufmerksam.
Die Knaben spielten ebenso in zwei verschiedenen Abteilungen, die Einen das Plätze- wechseln und Behaupten, die Andern den sogenannten schwarzen Mann. Das erste Spiel ist für die Kinder, kleinere, wie Größere, als Sinnbild für das Leben nicht minder wichtig, als die beiden eben erklärten. Es lehrt das Kind erstens: die Lebensanschauung, was es schon früher beim Ballspiel erkannte, daß jedes Ding und jede Sache, also auch der Mensch, einen bestimmten Raum, Platz und Stelle einnehme, aber hier noch weiter, daß Keiner und Keines seine Stelle und Platz im Leben verlassen und aufgeben solle, ehe es nicht der Erreichung eines anderen zweiten, ihm angemessenen und günstigen, wenigstens durch den Gebrauch seine Kräfte und Anlagen zu erringen gewiß sei; eine wichtige Lehre für das spätere, ausübende Leben, wie besonders für die gern nach vorwärts stehende Jugend. Die unerläßliche Bedingung aber, unter welcher nur das vorgesetzte Ziel erreicht werden kann, zeigt, das zweite Spiel der Knaben: der schwarze Mann, es zeigt uns, nur durch den Gebrauch seiner Glieder und Sinne, nur durch Anstrengung seiner Kraft Gewandtheit und Ausdauer, nur dadurch kann das errungen werden, was wünschenswert ist.
Den Schluß der ersten Abteilung des ganzen Spielfestes machte das, von den verschiedenen Gesellschaften und Abteilungen, zwar einzeln und getrennt, aber doch gemeinsam mit begleitendem Gesang ausgeführte Spiel: Katze und Maus;
" Ein Kätzchen kommt gegangen.,
Das will das Mäuschen fangen;
Doch kommt das Kätzchen in das Haus,
Eilt schnell das Mäuschen dann hinaus."
Dieses Lieblingsspiel der Kinder wurde auch, als ein gemeinsames Spiel, von allen in verschiedenen Kreisen und so, mit verschiedenem Ausdrucke, zugleich gespielt. Dieses Spiel faßt auch in gewisser Beziehung den Geist und die Bedeutung der bisherigen Spiele in Eines zusammen; denn es zeigt: wie zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles, nämlich des sich Wehrens vor dem Ergriffenwerden von einem Unangenehmen, alle Glieder, das Ganze, wie das Einzelne gleich tätig und gleich achtsam sein müssen, eben auf das Ganze, wie auf das Einzelne. - (Wieder wichtig für das Leben.)
Nun trat eine Zeit der Spielruhe von einer halben Stunde ein, welche der Erholung und dem Genusse der Erfrischung gewidmet war, welche Ihre Hoheit die regierende Herzogin zu Sachsen-Meiningen, dem gesamten Spielkreis Kindern, wie Erwachsenen huldvoll reichen ließ.
Nach Verlauf von einer halben Stunde wurden die spielenden Kinder, ihre Erziehenden, Führer und Führerinnen durch allgemeine Aufforderung zur weiteren Fortsetzung des Spielfestes in dem bestimmten Spielraume wieder versammelt. Man ordnete allgemein größere und kleinere gleichlaufende Kreise, die verschiedenen Spielgenossenschaften zusammen und die einzelnen Kinder zu ihren Führern und Führerinnen, wie bei dem Beginn des Ganzen; der allgemeinen Vereinigung in Mitte des geräumigen Spielplatzes folgte auch der allgemeine Gesang:
"Wir haben froh uns hier gefunden,
Der Lebenstrieb hat uns verbunden,
Beschäftigung ist uns`re Lust
Mit ihr kommt Freunde in die Brust.
Rüstig unsre Sinne regen,
Wacker Hand und Fuß bewegen,
Gibt dem Herzen Freud` und Lust
So, daß sich das Ganze als ein Einiges, jeder Einzelne sich wieder als Glied des Ganzen fühlte, und sich so das Ganze, wie jeder Einzelne des Zweckes des Zusammenseins bewußt, von dem Geiste desselben durchdrungen und belebt wurde. Denn was das Lied aussprach: froher Sinnen- und besonders kräftiger Gliedergebrauch wurde also gleich in rhythmischen und entsprechenden Glieder- und Körperbewegungen dargestellt; indem Zusammenstimmung von Wort und Tat eine Hauptsorge des Kindergartens ist, damit in demselben Wahrheit herrsche.
Hierauf bildeten sich die einzelnen Spielgenossenschaften zu besonderen Ganzen zusammen und es wurde von mehreren derselben zu gleicher Zeit ausgeführt: "Das Taubenhaus" unter Begleitung des Liedchens aus den Mutter- und Koseliedern"):
"Wir öffnen jetzt das Taubenhaus;
Die Täubchen sie fliegen so froh hinaus;
Sie fliegen hin aufs grüne Feld,
Wo`s ihnen gar zu wohl gefällt;
Doch kehren sie heim zu guter Ruh`
So schließen wir wieder das Taubenhaus zu.
Und sind sie zu Haus, so erzählen sie sich
Wie`s draußen im Freien so wonniglich
Was sie dort sahen und was sie getan,
Das hören die Andern mit Freude nun an."
Die Bedeutung dieses Spieles für das Leben, welche sich aus demselben ausspricht, ist: daß, wenn der Einzelne von dem Geiste des Ganzen geeint und durchdrungen ist, ihm die Ausführung und Darstellung seines einzelnen Lebens nach Selbstwahl und Bestimmung frei gegeben werden kann, überzeugt, daß, wenn die Forderung und der Ruf des Ganzen die Einzelnen wieder zusammenfordert, gerne und freudig der Einzelne diesem Ruf, als dem Ausdruck seines eigenen Wollens, willig folgt. Der Gesamtausdruck des Spielens ist also die Vereinigung von Freiheit (Selbstbestimmung), und Notwendigkeit (Bestimmung und Forderung des Ganzen). In dem Kindergarten werden nun die Täubchen-Kinder nach Andeutung des dritten Verses zur Beachtung der Umgebenen während ihres Ausfluges aufmerksam gemacht, damit das Hinausfliegen stets den Ausdruck des Sinnigen behalte; indem die Kindergärtnerinnen, an die lieben Täubchen all die Fragen stellen, welche im Bereich dieses Spieles liegen: auf welch ein Saatfeld sie geflogen und was sie sonst auf ihrem Ausflüge gesehen haben. Diesem, allen zur Freude mehrmals wiederholten Spiele folgte das Spiel: "Wenn die Kinder artig sind" unter Gesang des Liedchens:
"Wenn die Kinder artig sind,
So sind sie immer froh.
Und wenn sie dann recht lustig sind,
So machen`s alle so: --
Bekanntlich tritt beim Beginne des Liedchens ein Kind aus dem Kreise der Spielenden und führt bei dem letzteren So irgend eine Körper- und Gliederbewegung, einfache Handlung oder Darstellung aus, welche dann von dem ganzen Spielkreis nachahmend dargestellt wird. Dieses Spiel ist mit seiner äußeren Erscheinung, seinem Geist und Charakter nach, dem vorigen Spiel die Bestimmung von dem Ganzen ausging und Einzelne dieser Forderung geht von dem Einzelnen aus und das Ganze erkennt diese Forderung als die seinige und leistet ihr Folge, denn was der in der Mitte des Kreises Getretene seiner Persönlichkeit und seiner augenblicklichen Stimmung nach, auszuführen für angemessen findet, wird, wie erwähnt, von dem Ganzen nachahmend aufgenommen.
Diese beiden Spiele, das jetzige und vorige vergleichend verbunden, zeigen daher und sprechen klar aus: daß das Leben als ein harmonisches Ganzes dadurch bestehe, daß nach den Forderungen des großen Lebensganzen, bald der Einzelne den Bestimmungen des Ganzen folge, bald das Ganze die Forderungen des Einzelnen in seiner Allgemeinheit erkenne und sie als allgemein gültig ausführe.
Weil dies Spiel, nach Maßgabe des Charakters, des Alters, der schon, oder noch nicht gewonnenen Ausbildung der Spielenden, so große Vielfachheit in der Darstellung bietet, so wurde es, wie das vorige von den verschiedenen Spielgenossenschaften zugleich ausgeführt, was besonders für das teilnehmende Publikum viel Gelegenheit zu erziehlichen Bemerkungen und einen tiefen Blick in das Innere dieser Kinder- und Jugendführung bot. Nun traten wieder die einzelnen Spielgenossenschaften mit ihren einzelnen Spielen hervor, zuerst der Kindergarten von Marienthal mit dem Spiel:
"Der deutsche Eichenkranz," oder dem Spiele der 4 Haupteigenschaften, oder, wenn man lieber will: Tugenden des Kinder- und Jugendlebens, wie des Menschenlebens, überhaupt: Des Wohlwollens (der Liebe), der Anspruchslosigkeit (Bescheidenheit) und der Lebensreinheit (Unschuld), endlich der Festigkeit, der Ausdauer, (Hoffnung). Das Spiel begann wieder, dem Geist des Ganzen entsprechend, mit dem gesungenen Worten:
"Gleiches Streben
knüpft im Leben
Den festen Bund,
Den besten Bund
Mache unser Leben kund,
la, la, la, la.
Gleichen Schrittes,
Gleichen Trittes,
Wie heut beim Spiel
Sei stets das Ziel:
Einklang nur unser Ziel."
Diese Worte bezeichneten scharf und bestimmt genug, sowohl den Geist dieses Spieles, als den Geist alles Spielens und des Spielfestes als eines Ganzen. Aus dem Ganzen trat nun der erste Kranz, der des Wohlwollens, der Lebenseinigung, der Liebe hervor, einfach rechts kreisend und dabei singend:
"Der Rose woll`n wir gleichen,
Der Liebe schönem Zeichen;
Drum wählen wir für unsern Tanz
Uns einen Rosenkranz.
La, la, la, la,
Das Lala, begleitet von schnellend hüpfendem Gang; der erste ruhend folgte der zweite Kreis mit dem Gesang:
"Dem Veilchen gleich, bescheiden,
Laßt allen Glanz uns meiden
Uns stets, beim kindlich frohen Tanz
Schmückt uns ein Veilchenkranz.
la, la, la, la,"
Bei diesem la la la la begleitete auch der erste Kreis den zweiten mit schnellend hüpfendem Drehen; die beiden Kreise nun ruhend, folgte der dritte Kreis drehend und singend:
"Die Lilien auf dem Felde
Sich unser Herz erwählte,
Der Unschuld Bild -- ein Lilienkranz
Sei unser Schmuck beim Tanz.
La, la, la, la"
Bei den Worten la, la ,la begleiten auch die beiden ersten Kreise den dritten mit dem schon mehrfach bezeichneten Gang; diese 3 Kreise nun ruhend folgte der vierte Kreis drehend und singend:
"Dem frischen Grün zu gleichen
Im Lenz, dem Hoffnungsreichen
Zier uns beim heitern Spiel und Tanz
Ein grüner Eichenkranz.
La, la, la, la;"
die weitere Ausführung wie vorhin; der vierte Kreis wieder ruhend, begannen die drei äußeren Kreise:
"Wir Alle wollen fassen
Fest an dem Eichenkranz,
Nicht von der Hoffnung lassen,
selbst nicht bei Spiel und Tanz,
La, la ,la, la;"
Nämlich nicht von der Hoffnung lassen: der endlichen deutschen Einheit, Kräftigkeit und Selbständigkeit. Bei dem Worte "Wollen fassen" einigten sich die drei äußeren Kränze mit dem inneren und bei La la, la la, dem allgemeinen Ausdruck der inneren Lebensfreudigkeit öffnete sich der mittlere Kranz an den verbundenen Stellen und so bildete sich das Ganze zu einem großen Kreis, als gleichsam den Ausdruck der erfüllten Hoffnung, daß das Einzelne und Geeinte zu einem in sich geschlossenem Ganzen vollendet werde, in welchem der Einzelne in dem Ganzen aufgehe, aber auch wieder in seinen Strebungen und Persönlichkeiten von dem Ganzen getragen werde.
Hierauf führten die Kinder aus Steinbach unter ihrem oben schon genannten, seinen Kindern liebend hingegebenen Herrn Lehrer nach freier Selbstwahl und Bestimmung, einige Spiele aus, welche in gewisser Beziehung eine Anwendung des vorher in den größeren allgemeinen Spielen Angedeuteten, auf das Besondere waren z.B.:"Wir Alle Hand an Hand hier stehn". - Die spielenden Kinder standen dabei im Kreise, während sie sangen:
"Wir alle Hand an Hand hier stehn,
Wollen uns im Kreise drehn,
Möchten aber die Mitte sehn,
Wer sie uns will zeigen,
Dem woll`n wir uns neigen.
Auf diese Aufforderung tritt eines von den Kindern, welches dazu Lust und Mut hat, in die Mitte des Spielkreises. In diesem Augenblick singt , sich neigend und beugend, der ganze stehende Kreis:
"Wir neigen(beugen) uns,
Wir neigen(beugen) uns,
Wir neigen(beugen) uns;
Laß nun auch dein Liedchen klingen,
Wollen kreisend mit dir singen."
Nachdem das Kind in der Mitte dreimal die Hände zusammengeschlagen, singt es:
"Rund um, rund um, im Kreis herum
Immer rund um, ja immer rund um."
Während des Singens drehte sich der Kreis erst nach rechts und, bei Wiederholung des Gesanges nach links, worauf das Kind in der Mitte wieder dreimal die Hände zu- sammenschlägt. Hierauf singt der Kreis:
"Jetzt wir alle stille stehn,
Wollen dich auch tanzen sehn,
Woll`n dir auch ein Liedchen singen,
Soll zu deinem Tanze klingen."
Hier klatschen alle im Kreis stehenden Kinder dreimal die Hände zusammen und singen:
"Kindchen drehe dich im Kreis herum, im Kreis herum,
Immer herum, ja immer herum."
Indem dies die Kinder des Kreises singen, dreht sich das Kind, ganz in der Mitte rund um sich selbst, oder um den Finger der Spielführenden halb rechts und, bei wiederholtem Händeklatschen und Liedchensingen, links. Nach Beendigung des Liedchens und Drehens singen die Kinder des Kreises:
"Kindchen hat sich müd`gedreht,
Nun zurück zur Stell`es geht." -
Und fährt dann fort:
"Der will nun die Mitte zeigen,
Dem woll`n wir uns dankbar neigen."
Worauf ein anderes Kind in die Mitte des Kreises tritt und so das Spiel von Neuem be- ginnt. Es ist beachtenswert, welch`einen Reiz dieses kleine Spiel für die Kinder hat; denn selten mögen sie es früher beenden, als bis allen die Freude geworden ist, die Mitte zu zeigen.
Ganz besonders aber hatten es sich die Steinbacher zur Aufgabe gestellt, das Leben des Kindes in Verknüpfung und im Wechselverkehr mit der Natur darzustellen; wozu sie das Spiel gewählt hatten: "Schön in Reih gestellt."
Alle spielenden Kinder standen ruhig in einem großen Kreis singend:
"Schön in Reih gestellt,
Blicke aufgehellt,
Wohl emporgericht
Brust und Angesicht.
Ein (zwei, drei) Vöglein fliegt in den Wald hinaus,
Doch kehrt es wieder bald nach Haus."
Ein usw. dreimal wiederholt.
Bei dem Worte "Wald " stellen sich alle im Kreise stehenden Kinder ganz gerad und fest, erbeben ihre Arme nach seitwärts hoch bis über den Kopf und bewegen leicht die Finger, so jedes Kind einen Baum und sie alle einen Wald darstellend das oder die Vöglein fliegen, nun in den Wald umher; doch nach dreimaligem Wiederholen des Liedchens, und so wie die Worte wieder erschallen: "Schön in Reih gestellt usw., lassen die Kinder im Kreise die Arme sinken und die Finger ruhen, wie die fliegenden Vöglein sich wieder verwandeln und wieder als spielende Kinder im Kreise stehen. Jetzt beginnt entweder dasselbe Liedchen und Spiel nochmals, oder nach den Schlußworten:
"Wohl emporgericht usw." fahren die Kinder im Kreise zu singen fort:
"Zwei (drei, vier) Häschen springen in den grünen Hain,
Dort wollen sie fröhlich und lustig sein."
Bei dem Worte Hain, stellen statt der Bäume die Kinder des Kreises Büsche dar, indem jedes Kind seine beiden Hände in die Seite setzt, und - wie vom Winde bewegt, sich bald nach rechts, bald nach links dreht.
Nach dreimaligem Singen der angeführten Worte, und, so wie wieder: "Schön in Reih gestellt." erschallte, verschwinden wieder Hain und Häschen; was sich entweder ein zweites oder drittes Mal wiederholt oder, wie vorhin bei den Schlußworten: "Wohl emporgericht usw.". fahren die Kinder im Kreise zu singen fort:
Drei(vier, fünf) Fischchen schwimmen im klaren See,
Es tun ihnen keine Beinchen weh,"
indem sie sogleich aus dem Hain dadurch, daß sie sich wechselseitig die Hände reichen, gleichsam einen See bilden, in welchem drei, (vier oder mehrere) Kinder in der Fisch- weise mit Schwimmbewegung sich herumbewegen. Die im Kreise stehenden Kinder bewegen dagegen leicht schwingend die Arme, dadurch den Wellenschlag des Wassers anzudeuten.